Vater der Pappkameraden

In der berühmten Terrakottaarmee im chinesischen Xi’an tauchten sie urplötzlich auf. Im Grand Canyon wurden sie gesichtet und selbst auf Honolulu fanden einige eine neue Heimat. Gemeint sind die „Bunten Menschen“, die für Vielfalt, Toleranz und Freiheit werben und dafür seit 2014 auch auf Weltreise gehen.

Roland Ehlen ist Schreinermeister mit Leib und Seele und der „Vater der Bunten Menschen“. Schon lange beschäftigte ihn die Frage, was machen Menschen mit Informationen, die sie bekommen? Aber noch wichtiger, was machen sie mit Informationen, die sie nicht bekommen? Das brachte ihn auf eine Idee. Er kreierte eine Art Information, mit der man auf den ersten Blick eigentlich nichts anfangen konnte, um zu erfahren, wie die Menschen darauf reagieren. Das war die Geburtsstunde der „Bunten Menschen“ In einer Nacht- und Nebelaktion stellte der Schreinermeister 200 bis 300 bunte Pappkameraden im Viersener Stadtgebiet auf. Es dauerte nicht lange und die sozialen Medien bekamen Wind von den Aktionen. Auch die ortsansässige Presse wurde neugierig. Was bedeutete das? Mehr und mehr Gerüchte kamen in Umlauf. Man habe nachts einen grauen Lieferwagen bei den Figuren gesehen. Einige Leute vermuteten sogar, dass die „Bunten Menschen“ von einem Viersener Schreiner stammten könnten.

Wandelbare Figuren
Roland Ehlen war sicher, dass ihn die Bevölkerung in Nullkommanichts enttarnen würde. Ein Ablenkungsmanöver musste her. Der Aktionsradius wurde vergrößert. Er stellte die Figuren nun auch in Köln, auf den Rheinwiesen oder in der Eifel auf diversen Wanderwegen auf. Der größere Radius erforderte mehr Verbündete. Freunde und Bekannte wurden eingeweiht, die in Urlaub fahren wollten. So kam es, dass auf einmal Fotos der Bunten Menschen in Schottland, Österreich oder auf der Queen Mary auftauchten. Niemand dachte mehr an den Schreiner aus Viersen. Die sozialen Medien spekulierten, dass das ein Werk eines belgischen Künstlers wäre. Oder wollte die Stadtverwaltung gar auf Brennpunkte hinweisen? Plötzlich waren die „Bunten Menschen“ überall: Sie reisten in ferne Länder, standen in öffentlichen Anlagen, begleiteten Stadtfeste, besuchten Rockkonzerte… Weihnachten trugen sie rote Mützen, während des Karnevals eine Narrenkappe, Ostern Eier unterm Arm und ständig wechselten sie ihren Platz. „Bis auf Alaska sind sie auf dem ganzen Erdball im Einsatz“.

Geheimnis gelüftet
Irgendwann war Roland Ehlen und sein Team nicht mehr in der Lage, genügend „Bunte Menschen“ aufzustellen. Vor allem, weil sie immer wieder von Fans eingesammelt wurden. Zum einjährigen Geburtstag der „Bunten Menschen“ im Frühjahr 2015 lüftete Roland sein Geheimnis. Er schrieb eine Pressemitteilung und erzählte seine Geschichte. Jetzt begann ein wahrer Run auf die Pappmenschen und jeder wollte Roland Ehlen interviewen und seine Geschichte hören. „Was kriegst Du denn jetzt dafür?“, denn es war klar, dass die Herstellung Geld kostet. Es wurde der Entschluss gefasst, mit den „Bunten Menschen“ Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Die Sammelbox, die Roland in seiner Schreinerei aufgestellt hatte, füllte sich und er kam immer weniger zu seiner Arbeit als Schreinermeister.

Wir den guten Zweck
Im Sommer 2015 legte der Schreinermeister aus Viersen dann eine Verschnaufpause ein. Nach vielen Diskussionen mit Freunden fasste er den Entschluss, dass die Aktion keine Einmalaktion bleiben solle. Mit Freunden und Förderern gründete er eine Gesellschaft, deren Zweck es ist, die Reise der „Bunten Menschen“ um die Welt zu organisieren: die „Bunte Menschen GmbH“. Das finanzielle Überleben der fröhlich stimmenden Menschen ist somit sichergestellt und im Rahmen eines Art „Sozialnobelpreises“ sollen in Zukunft die daraus eingenommenen Geldmittel direkt an Bedürftige und an förderungswürdige Hilfsprojekte ausgeschüttet werden. „Das ist die Idee und daran wollen wir arbeiten. In einem Gremium werden wir entscheiden, wohin das Geld fließt und wie oft wir den Preis vergeben. Wir haben jedoch die Vision, etwas schaffen zu wollen, das viel Positives bewegt.“

Außerdem wurde die Idee der „Botschafter der Bunten Menschen“ geboren, denn „Bunte Menschen“ sollen auf Wunsch von Roland Ehlen ein besonderes Handelsgut werden. Die Verbreitung soll national und international über die „Botschafter der Bunten Menschen“ organisiert werden. Botschafter sollen Vereine, Organisationen, Institutionen, Unternehmen oder ausgewählte Privatpersonen sein, die die Geschichte der „Bunten Menschen“ erzählen und darauf hinweisen, dass die Figuren ein Symbol für menschliche Vielfalt, Freiheit und Toleranz sind. „Wir wollen, dass die ‚Bunten Menschen‘ hinaus in die Welt getragen werden. Wir wünschen uns viele Fotos von den Orten, an denen die Idee der Bunten Menschen angelangt ist.“

Fotos: Markus van Offern

Quelle: handwerksblatt.de/

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