Den Menschen eine Freude machen

pressebeitragDer „Mythos“ enttarnt – die Freude bleibt

Von Susanne Peters


Süchteln. Stets zauberten sie ein Lächeln auf das Gesicht, die lustigen Farbtupfer am Straßenrand, die sich im Vorbeifahren als bunte Männchen auf Holzstöckchen entpuppten. Im vergangenen Sommer gab es die erste Heimsuchung, und so verbreitete sich rasch die Mär von einer außergewöhnlichen Invasion im Kreise Viersen. Allerorts bekam man sie zu Gesicht, ob in Nettetal, Brüggen oder Viersen – sie waren überall. Aber auch die Gerüchteküche brodelte an jeder Ecke: „Der Erfinder ist ein Künstler aus Belgien, der möchte, dass seine Männchen auf Wanderschaft gehen“, oder „Es handelt sich sicherlich um ein Projekt von Soziologiestudenten, die das Verhalten der Menschen erforschen möchten“, waren zwei mögliche Lösungsansätze. Naja, irgendwie stimmt von allem etwas. „Ich wollte den Menschen auf jeden Fall eine Freude machen“, fasst Schreiner Roland Ehlen, Erfinder und Erbauer der kecken Gesellen, zusammen und fügt grinsend hinzu: „Ein wenig für Gesprächsstoff sorgen und für Verwirrung. So tauchten die Männchen ja sogar in Holland, Dänemark und Schottland auf.“ Doch wie trug es sich zu, dass die lustigen Kerlchen punktuell wie aus dem Nichts nun auch im Ausland ihr mysteriöses Unwesen trieben, wo Ehlen doch selbst nicht stets quer durch Europa reiste? Ebenso trug es sich zu, dass der Süchtelner Schreiner wahrhaftig innerhalb des gesamten Kontinents für spektakuläres Rätselraten und besonderes Amüsement sorgte. Die Lösung jedoch ist so effektiv wie simpel: „Meine Familie war natürlich eingeweiht, unser engster Bekanntenkreis auch. Es waren überwiegend Freunde und Bekannte, die die Männchen ins Ausland beförderten.“ Und alle hielten dicht! So gab es daneben oder besser, aus den Jahren zuvor, jedoch durchaus Indizien. Ehlen bemerkt augenzwinkernd: „Vor einigen Jahren bereits produzierte ich ein paar Männchen, quasi mit Tornistern im Profil und steckte mit ihnen den Arbeitsbereich an einer Schule ab. Aber irgendwie schien man sie im Nachhinein vergessen zu haben.“
Der Tischler hatte viel Spaß an seinem heimlichen Schabernack: „Es war amüsant, auf Partys mitzubekommen, wie die Leute über meine Männchen sprachen, herum rätselten und ihnen gar nicht bewusst war, dass sie den Erbauer bereits kannten und er gesellig neben ihnen stand.“
Vor Weihnachten tauchten die kleinen Unterhaltungskünstler zum zweiten Mal auf – mit festlichen Nikolausmützen. Von da ab wechselten sie sehr regelmäßig ihren Standort oder waren zu Karneval, mit Narrenkappen ausgestattet, und zu Ostern, mit bunten Eiern im Gepäck, am Ende beinahe kaum noch aufzufinden. So liegt es nahe, dass sich viele Menschen scheinbar in der Begleitung der fröhlich bunten Männchen sehr wohl fühlen, findet man sie nun doch vermehrt in heimischen Gärten wieder. „Da habe ich mir dann doch gedacht, es ist an der Zeit, das Geheimnis zu lüften“, berichtet der Vater der putzigen Wanderburschen, der nach seiner Enttarnung sogar Besuch vom WDR bekam, lächelnd. Schade! Also doch kein geheimnisvoller Mythos. Aber was soll’s…

Quelle: www.Ortszeitungen.de

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